Stolpersteine in Eppertshausen

Im Jahr 2021 kann jüdisches Leben in Deutschland auf eine 1700-jährige Geschichte zurückblicken. Aus diesem Anlass möchten wir auf die Schicksale unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die bis zum Novemberpogrom 1938 fest in unserer Gemeinde verwurzelt waren, berichten.

Hierzu haben wir Ihnen auf den folgenden Seiten Informationen der Projektgruppe „Stolpersteine“ und Auszüge aus dem Buch „Jüdisches Leben in Eppertshausen  – damit wir Sie nicht vergessen“ von Karl Müller zusammengestellt.  

 

Die „Stolpersteine“ sind ein Projekt des Bildhauers Gunter Demnig, der an die Opfer der NS-Diktatur erinnert, indem er vor deren letzten selbstgewählten Wohnorten Gedenktafeln aus Messing mit dem Hinweis „Hier wohnte…“ in den Gehsteig einlässt. Aus Beton gegossen, 10 x 10 cm groß und bündig ins Pflaster eingelassen, damit sie keine Gefahr darstellen, sollen sie ein gedankliches Stolpern bewirken. In über 2000 Orten in Deutschland und anderen Ländern Europas liegen mehr als 75.000 solcher Stolpersteine, die nach ausführlicher individueller Recherche ihren Weg in den Boden finden.
Die Initiative Stolpersteine Eppertshausen verlegte von 2013 bis 2017 Stolpersteine in unserer Gemeinde – zur Erinnerung an die Menschen, die durch die nationalsozialistische Diktatur und deren Schergen aus Eppertshausen vertrieben und zum Teil auch ermordet wurden. Mit insgesamt 32 verlegten Stolpersteinen sind vorerst alle recherchierbaren Schicksale der durch den NS-Terror in Eppertshausen hervorgerufenen menschlichen Katastrophen dokumentiert. Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass diese Dokumentation nur einen kleinen Teil des Leidens umfasst, das in Eppertshausen durch den NS-Unrechtsstaat hervorgerufen wurde. Ermöglicht wurde diese Erinnerungsarbeit durch die Recherchen und die historische Aufarbeitung dieses traurigen Kapitels der Ortsgeschichte durch Herrn Karl Müller in seiner detaillierten Dokumentation der Ereignisse von damals in seinem Buch: „Jüdisches Leben in Eppertshausen – Damit wir sie nicht vergessen“.
Die Biographien, Information und Bilder auf den nachfolgenden Seiten sind – mit freundlicher Genehmigung seiner Witwe Elsbeth Müller – diesem Buch entnommen. Für die Genehmigung, die Passbilder unserer Jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger von den damaligen Kennkarten nutzen zu dürfen, bedanken wir herzlich uns beim Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland in Heidelberg.
Auch die Gemeinde Eppertshausen möchte Ihren Beitrag „gegen das Vergessen“ leisten, den Menschen „hinter“ den Stolpersteinen ein Gesicht geben bzw. Ihre Biografien festhalten. Möglich wurde dies auch durch die Unterstützung durch die Gründer und Mitglieder der „Initiative Stolpersteine Eppertshausen“: Antje Pfau, Anne Diehl, Marlene Müller, Hege Ries, Uwe Müller, Michael Daum, Martin Hug und Bruno Ries – herzlichen Dank!


Die Biografien

 Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist – so steht es im Talmud. Mit den Stolpersteinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst an dieser Stelle in und als Teil unserer Gemeinde lebten.
Die Inschriften auf den Stolpersteinen zeigen die Geburts- und Todesdaten der Opfer sowie die Deportations- und/oder Inhaftierungsstationen oder das Datum der Auswanderung. Dabei bleiben viele Fragen offen. Wie lebten die Opfer vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten? Wie war ihre familiäre und berufliche Situation? Erhielten sie Hilfe von Mitbürgern? Welches waren die Stationen ihrer Verfolgung und ihrer Leiden? Wer waren die Menschen hinter den Daten?
Die Akten aus nationalsozialistischer Zeit, soweit noch vorhanden, geben mit ihrer distanzierten Sprache einen Eindruck über den bürokratisierten Prozess der Verfolgung und Ermordung der Opfer. Den Menschen zeigen sie nicht. Viele von ihnen hinterließen kaum oder keine schriftlichen Spuren, und so war die Rekonstruktion ihres Lebens für Herrn Müller sicher mit oft großen Schwierigkeiten verbunden. Nicht immer waren Angehörige oder Zeitgenossen vorhanden oder bereit, die biografischen Lücken zu füllen. Daher sind die hier zusammengestellten Biografien sehr unterschiedlich in ihrem Umfang. Sollten Besucher dieser Seite über die hier genannten Personen zusätzliche oder abweichende Informationen haben, würden wir uns freuen, wenn Sie uns diese mitteilen würden.


Die Lage der Wohnhäuser


Die Familien

Familie Bernhard Moses

Wohnhaus der Familien Bernhard Moses und Max Rothschild in der Schulstraße 10-12

Die Familie Moses war wohl die bekannteste und auch angesehenste jüdische Familie in Eppertshausen. Wahrscheinlich waren die Vorfahren der Familie Moses schon sehr lange im Ort ansässig, erste Namenseinträge sind für das Jahr 1779 nachweisbar.

Bilder von den Kennkarten von Bernhard Moses und Johanna Moses geb. Simon

Bernhard Moses, der am 17.3.1883 geboren wurde, war der letzte Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Er hatte ein Schuhgeschäft und war in Eppertshausen und Umgebung nur unter dem Namen „Schuhjud” bekannt.
Viele Leute erzählen heute noch davon, wie preiswert man bei Bernhard Moses Schuhe kaufen konnte und dass er mehr als einmal einer armen Familie Schuhe für ihre Kinder umsonst gab. Umso unverständlicher und unverzeihlicher ist das, was die Nazis dann am 9. November 1938 der Familie Moses angetan haben.
Der Vater von Bernhard Moses hieß Josef, er war Schuhmacher und hatte im Jahre 1881 seine Frau Karoline Moses geb. Löwenthal, aus Schwabach geheiratet.
Die Familie Moses hatte ihr Haus und ihr Geschäft in der Schulstr. 10- 12, sie waren also die Nachbarn von Max Rothschild. Das Haus steht heute noch in der Schulstr., neben der ehemaligen Töpferei Müller.
Bernhard Moses hatte eine Frau aus Münster, die Schwester des dortigen Rabbiners, Johanna, geb. Simon, sie war am 1.7.1893 in Münster geboren. Bernhard und Johanna Moses hatten zusammen 3 Kinder: Ida Moses, geb. am 20.2.1920, Josef Moses, geb. am 15.10.1925 und Martha Moses, geb. am 2.2.1930.
Wie erging es nun der Familie Moses? Bernhard Moses wurde mit den anderen Juden am Mittag des 9. November verhaftet und wurde, am 11. Dezember nach Buchenwald gebracht. Nachdem die SA in der Kristallnacht in seinem Haus gewütet hatte, ist die Familie, ohne den Vater, 4 Wochen später nach Frankfurt, in die Habsburger Allee 16 verzogen. Nach seiner Entlassung, ca. 5 Wochen später, fand sie Bernhard Moses dort.
Im März 1939 wurde der Sohn Josef mit einem Kindertransport nach Frankreich verschickt, während seine Schwester Ida nach England kam. Josef, der damals erst 14 Jahre alt war,
wurde dadurch 7 Jahre von seinen Familienangehörigen getrennt.
Die übrigen Familienmitglieder wohnten danach bis Oktober 1941 in Frankfurt, wo sie dauernden Drohungen und Misshandlungen durch die Nazis ausgesetzt waren. Danach konnten sie noch auswandern und warteten 2 Jahre in Santo Domingo auf ihre Einwanderung in die USA.


Familie Max Rothschild

Auf dem gleichen Grundstück (Doppelhaus mit Toreinfahrt) wie die Familie Moses, hatte die Familie Max Rothschild ihr Wohnhaus stehen.

 

 

Bilder von den Kennkarten von Max Rothschild, Hedwig Vollweiler geb. Rothschild und Jakob Rothschild

Max Rothschild, von Beruf selbständiger Viehhändler, war am 16.05.1870 in Eppertshausen geboren. Er hatte im September 1904 Sarah Goldenblum (*12.12.1879) aus Weiterstadt geheiratet. Die Familie hatte 5 Kinder: Sali Rothschild, (*6.9.1907), Hedwig Rothschild (*23.7.1909), Julius Rothschild, (*12.08.1911), Jakob Rothschild, (*21.08.1914) und Josef Rothschild, (* 2.11.1918).

Der Sohn Julius ist am 23.09.1937 nach New York — USA – ausgewandert. Auch Bruder Sali konnte nach USA auswandern und wohnte in New York. In der sogenannten Reichskristallnacht hat die SA, genauso wie bei den anderen Juden unseres Ortes, die Wohnungseinrichtung sinnlos zerstört, nach dem vorher Jakob und Josef verhaftet und nach Buchenwald verschleppt waren. Die Familie ist danach vermutlich nach Frankfurt verzogen, denn die Eltern, Max und Sarah Rothschild, sind am 15.09.1942 von Frankfurt aus ins KZ Theresienstadt deportiert worden. Max Rothschild hat dort nicht mehr lange gelebt. Im Alter von 72 Jahren ist er am 28.12.1942 im KZ Theresienstadt gestorben. Unter welchen Umständen ist nicht bekannt. Seine Frau Sarah hat ihn knapp 2 Jahre überlebt, am 1.9.1944 ist sie, ebenfalls im KZ Theresienstadt, gestorben.
Ob Sohn Jakob Rothschild nach seiner Internierung in Buchenwald wieder freikam, ist uns nicht bekannt. Gemäß einer Eintragung ins Sterberegister der Gemeinde Eppertshausen ist er am 4.8.1942 in Lublin – Majdanek, vermutlich im KZ, gestorben.
Tochter Hedwig wohnte wohl schon vor 1938 in Frankfurt, sie war dort vermutlich mit dem Besitzer einer Kohlenhandlung namens Vollweiler verheiratet. Zusammen mit ihrem Mann ist auch sie am 1.1.1943 von Frankfurt aus in ein KZ im Osten deportiert worden.
Die beiden sind seitdem „verschollen”. Vermutlich haben Hedwig Vollweiler und ihr Mann das gleiche Schicksal erlitten, wie viele Millionen Juden und andere unschuldige Menschen: verhungert oder auf grausame Art von KZ-Schergen ermordet.


Familie Abraham Strauß

Wohnhaus der Familie Abraham Strauß an der Hauptstraße

 

Bild von der Kennkarte von Abraham Strauß

Genauso bekannt in Eppertshausen und der ganzen Umgebung, wie Bernhard Moses, war Abraham Strauß (*10.6.1875). Er hatte in der Hauptstraße ein Geschäft mit Futtermitteln, Düngemitteln, Saatgut usw. Abraham Strauß belieferte die Bauern in Eppertshausen, Münster, Urberach und in den anderen Orten der Umgebung mit diesen Landesprodukten und soll, wie man uns erzählt hat, ein sehr reeller Geschäftsmann gewesen sein. Geholfen hat ihm der Neffe seiner Frau Rescha Rosalie Strauß geb. Siegel (*4.8.1880), Benjamin Siegel (*11.2.1905) aus Hergershausen, der vom Ehepaar Strauß, mangels eigener Kinder, als Sohn angenommen worden war. Geheiratet hatten die beiden am 28.6.1908 in Hergershausen.
Das Haus, in dem die Familie Strauß ihr Geschäft hatte und wohnte, – es steht in der Kurve der Hauptstraße, wo das Gässchen zum ehemaligen „Schwesternhaus“ anfängt – dieses Haus hatte der Vater von Abraham Strauß, Moses Strauß, vom damaligen Bürgermeister Euler gekauft. Vorher hatte die Familie Strauß in der Hauptstraße 27 ihr Geschäft. Von „alten Eppertshäusern“ wurde immer wieder erzählt, dass es bei der Familie Strauß das beste Mazze in Eppertshausen gegeben habe.
Benjamin Siegel, genannt Benni, der angenommene Sohn der Familie Strauß, war mit Klara (Klärchen) Heinemann aus Niedermittlau verheiratet. Sie war sieben Jahre jünger als er und 27.04.1912 geboren. Die beiden hatten einen kleinen Sohn, Salomon Siegel, der nach der Kristallnacht in Frankfurt verstorben ist.
Am 8. Dezember 1938, also 4 Wochen nach der Kristallnacht, sind Abraham und Rescha Strauß mit Klara Siegel und ihrem kleinen Kind nach Frankfurt in die Hans-Thoma-Str. 24 gezogen. Benjamin Siegel ist am 27. Dezember, also ca. 3 Wochen danach, in Eppertshausen abgemeldet worden, ebenfalls mit der gleichen Frankfurter Adresse.
Benjamin Siegel war auch verhaftet worden, ist aber ca. 6 Wochen nach seiner Verhaftung, wie die meisten anderen Juden, wieder entlassen worden. Er und seine Frau Klara sind danach nach Amerika ausgewandert, sein Onkel und seine Tante waren in Frankfurt geblieben – was zumindest Rescha Strauß zum Verhängnis wurde.
Abraham Strauß ist im Jahre 1940 in Frankfurt gestorben, er soll einen Herzinfarkt erlitten haben. Seine Frau Rescha wurde später in eines der Konzentrationslager im Osten deportiert wo sie „verschollen” ist – wie fast alle, die in Konzentrationslager kamen.


Familie Moritz Reis

In der Hauptstraße 48, damals Adolf-Hitler-Str. 52, wohnte die Familie Moritz Reis.

Moritz Reis war in Eppertshausen unter dem Namen „Lejbsche“ bekannt, sein  Vater hieß Levi oder Löb Reis, seine Mutter hieß Jette, geb. Haas, sie war schon 1928 gestorben. Moritz Reis betrieb zusammen mit seinem Bruder Josef einen Viehhandel, er war wie viele andere Juden Weltkriegsteilnehmer von 1914/18.

Verheiratet war Moritz Reis, der am 16.10.1881 in Eppertshausen geboren wurde, mit Klara Reis geb. Siegel, die am 17.12.1888, also im Dreikaiserjahr, in Hergershausen geboren war. Die Familie Reis hatte 4 Kinder: Clementine („Clemmi“) Reis (*21.4.1915), Selma Reis (*15.7.1916), Hilda Reis (*8.3.1918) und Ludwig Reis (*4.7.1922).
Schon vor dem berüchtigten 9. November 1938 hatten Moritz und Klara Reis Ihre Auswanderung betrieben und ihr Haus verkauft. – Glücklicherweise hatten sie ihre Auswanderungspapiere bei Nachbarn deponiert, wohl ahnend, was da kommen könne. Dadurch blieben die Papiere am Abend des 9.November vor der SA verschont.
Am 30.11.1938 sind die beiden dann wie geplant nach Nordamerika ausgewandert, nachdem ihre Tochter Hilda schon am 19.04.1937 nach New York verzogen war.
Sohn Ludwig ist ebenfalls – am 16.09.1938 – nach New York verzogen, während seine Schwester Clemmi zuerst nach Israel, dann auch nach New York gezogen sein soll. Ludwig kehrte nach dem Krieg noch einmal kurz als amerikanischer Soldat nach Eppertshausen zurück.


Familie Moses Adler

Wohnhaus der Familie Moses Adler an der Hauptstraße 63

Moses Adler, ein selbstständiger Metzgermeister, hatte sein Haus in der Hauptstraße 63, gegenüber dem damaligen Postamt. In dem Haus, das heute noch steht, lebte Moses Adler, – geboren am 13.6.1873 in Storndorf Kreis Alsfeld – mit seiner Frau Johanna Adler geb.
Bentheim, die am 14.8.1874 in Götzenhain geboren war.
Das Ehepaar hatte zwei Kinder: David Adler, (*6.4.1902) — er war taub – und Henni Adler, die am 14.11.1903 in Eppertshausen geboren war.
Vermutlich war Johanna Adler die zweite Frau von Moses Adler, denn sein Sohn David war noch in Storndorf geboren und stammte wahrscheinlich aus der ersten Ehe.
Auch Moses Adler war Weltkriegsteilnehmer und war sogar ausgezeichnet worden. Die Eltern von Moses Adler hießen David Adler, Viehhändler aus Storndorf und Rosa Adler geborene Wertheim ebenfalls aus Storndorf.
Es wurde berichtet, dass an dem Tag, an dem die Auswanderungspapiere für die beiden gekommen seien, sie von der Gestapo abgeholt und deportiert worden wären. Dies ist jedoch nicht verbürgt. Sicher ist jedoch, dass Moses und Johanna Adler am 15. September 1942, in Frankfurt abgeholt und ins KZ Theresienstadt deportiert wurden.
Genau drei Monate später, nämlich am 15. Dezember 1942 ist Johanna Adler dort gestorben. Ihr Mann Moses Adler hat danach kein Jahr mehr gelebt, am 5. Juli 1943 ist auch er im Konzentrationslager Theresienstadt gestorben.
David Adler, der Sohn von Moses Adler, war mit Berta Gub aus Frankfurt verheiratet, die taubstumm gewesen sein soll.
Er war von Beruf Zuschneider und hatte eine große Vorliebe für den Fußball. Als die Nazis an die Macht kamen, wurde ihm das Mitfahren zu Auswärtsspielen „seines“ FVE verwehrt, was ihm sehr nahe gegangen sein soll. David Adler, der mit seiner Frau auch Kinder gehabt haben soll, hat nach seiner Heirat in der Hauptstraße 66 bei Michael Kreher zu Miete gewohnt. Nach der Trennung oder Scheidung von seiner Frau, lebte diese, von der wir nur den Namen wissen, noch einige Zeit bei der Familie Roth in der Hüttenstraße.
Nach dem Novemberpogrom war David Adler am 18.11.1938 nach Frankfurt gezogen und wohnte dort im Sandweg 83 bei einer Frau Schweizer, wie uns sein Schwager Siegfried Bing aus New York mitteilte. Er arbeitete bis zu seiner Deportation als Kohleschlepper in der Kohlenhandlung Vollweiler (wahrscheinlich Hedwig Vollweiler, geborene Rothschild aus Eppertshausen) in Frankfurt. Wann und wohin David Adler deportiert wurde ist uns nicht bekannt. Tatsache ist nur, dass er von Frankfurt aus verschleppt wurde und seitdem „verschollen“ ist.

Seine eineinhalb Jahre jüngere Stiefschwester Henni Bing geborene Adler war im 14.11.1903 in Eppertshausen geboren. Am 8.12.1929 hat Sie den Metzgergesellen Siegfried Bing aus Eckartshausen bei Büdingen geheiratet. Siegfried Bing, der am 21.4.1901 geboren wurde, hat zusammen mit seiner Frau und der Tochter Laura Bing (*1930) bis zu der Auswanderung der Familie nach New York am 29.06.1936 bei seinem Schwiegervater in der Hauptstraße 63 gewohnt.
Das Haus der Familie Adler wurde in der Pogromnacht von der SA ebenso verwüstet wie die Häuser der anderen Juden, so dass es auch unbewohnbar wurde. Moses und Johanna Adler mussten deshalb, wie Ihre Leidensgenossen auch, am 18.11.1938 nach Frankfurt wegziehen und wollten angeblich von dort aus noch auswandern. Ob Ihnen dies noch gelungen ist war nicht mehr herauszufinden.


Familie Josef Reis

Wohnhaus der Familie Josef Reis an der Hauptstraße 81 (jetzt Friedhofstraße 26)

Drei Häuser weiter wohnte ebenfalls eine jüdische Familie. Es war die Familie Josef Reis, ein Bruder von Moritz Reis aus der Hauptstraße 48. Josef Reis betrieb zusammen mit seinem Bruder Moritz einen Viehhandel und war auch Schächter der Eppertshäuser Juden. Josef Reis der am 04.07.1872 in Eppertshausen geboren war, hatte Emma Kahn verwitwete Rothschild, die Witwe von Wolf Rothschild (Jeisel) geheiratet.
Die Familie hatte zwei Kinder: Henni Rothschild (*19.6.1902), die von Ihrer Mutter in die Ehe mitgebracht wurde und die mit Julius Strauß aus Dieburg verheiratet war, – die beiden sollen ausgewandert sein – und Leo Reis, der am 23.9.1912 geboren war. Leo Reis konnte am 3.5.1937 noch vor der Judenverfolgung nach Amerika auswandern, während seine Eltern auch die Demütigungen und die Schrecken des Novemberpogroms über sich ergehen lassen mussten. Auch bei Ihnen hat die Eppertshäuser SA sinnlos gewütet und die gesamte Inneneinrichtung des Hauses einschließlich Möbel und Geschirr zerschlagen. Als am Morgen nach diesen Nazi-Untaten ein Bürger aus Eppertshausen im Haus gegenüber seiner Arbeit nachging, stand Josef Reis vor seinem Haus und weinte.
Am 19. Dezember sind die beiden dann nach Frankfurt in die Rückertstraße 50 verzogen. Sie hatten Glück und konnten noch nach den USA auswandern. Am 16.12.1941 ist Josef Reis im Alter von 69 Jahren in New York verstorben. Seine Frau Emma überlebte ihn noch drei Jahre, sie starb am 13.11.1944, ein paar Monate vor Ende des Krieges, ebenfalls in New York.


Weitere Bilder jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger, die in Eppertshausen geboren wurden:

Lina Münz geb. Moses

(geb. 7. September 1887 in Eppertshausen)
Sie heiratete am 4.2.1915 in Eppertshausen den Kaufmann Salomon Münz aus Altengronau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Malchen Rothschild

(geb. 8. Juni 1875 in Eppertshausen)
Sie war die Schwester von Max Rothschild

 

 

 

 

 

 

 

 


Mina Lublin

(geb. 27. September 1867 in Eppertshausen)
Auch Sie war eine Schwester von Max Rothschild und heiratete am 16.8.1894 in Eppertshausen den Handelsmann Joseph Löb Lublin

 

 

 

 

 

 

 

 

Emma Wolf

geb. Moses (geb. 3. April 1883 in Eppertshausen)
Sie heiratete am 29.10.1908 in Eppertshausen den Handelsmann Hermann Wolf aus Dietzenbach

 

 

 

 

 

 

 

 

Rebekka Lewkowitz geb. Goldberg

(geb. 15. Oktober 1894 in Eppertshausen)
Sie wohnte in Neumarkt und wurde am 4. März 1943 von Breslau aus in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Sie war die Tochter des Religionslehrers Nathan Salomon Goldberg und Rosa Goldberg geb. Jalon

 

 

 

 

 

 

 

Regina Strauß

(geb. 2. August 1872 in Eppertshausen)
Sie wohnte in Ladenburg und in Frankfurt. Am 18. August 1942 wurde sie von Frankfurt aus in das Ghetto Theresienstadt deportiert, am 25. September 1942 weiter in das Vernichtungslager Treblinka. Dort wurde Sie ermordet.
Sie war eine Cousine von Abraham Strauß

 

 

 

 

 

 

 


Die Gedenkstätte am „Bernhard-Moses-Weg“

Im Zuge der Generalsanierung der Schulstraße 2016 wurde die alte Gedenkstelle auf einem Grundstück gegenüber der einstigen Synagoge aufgegeben und an einem neu gestalteten Verbindungsweg zwischen der Schul- und Hauptstraße wieder aufgebaut. In einem kleinen Park erinnert jetzt der Gedenkstein mit Inschrift und einer Menora als Bodenmosaik an den religiösen Standort. Dort hat man jetzt auch die Möglichkeit, Informationen über die jüdischen Mitbewohner, die in der Haupt- und Schulstraße wohnten, in einem würdigen Rahmen zu präsentieren. Im Jahr 2017 wurde dieser Verbindungsweg nach dem letzten Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Eppertshausen in „Bernhard-Moses-Weg“ umbenannt.

 

Liebe Besucher, 

bitte lassen Sie es uns wissen, falls Sie noch Verbindung zu Familienangehörigen haben, Ihnen Fehler aufgefallen sind, Sie über weiteres Bildmaterial oder weitere Informationen zu den aufgeführten Personen und Ihren Schicksalen verfügen.

Ansprechpartner: Lutz Murmann, Fachbereich Soziales, Telefon 06071/3009-42, Fax 06071/3009-55, Email: l.murmann@eppertshausen.de

Vielen Dank!

Quellennachweis:
Alle Texte zu den einzelnen Familien sowie die Bilder Ihrer Wohnhäuser wurden dem Buch:
„Jüdisches Leben in Eppertshausen – Damit wir sie nicht vergessen“ von Karl Müller mit freundlicher Genehmigung seiner Witwe Elsbeth Müller entnommen.

Die Bilder der Pflastersteine wurden uns von der „Initiative Stolpersteine Eppertshausen“ zur Verfügung gestellt.

Die Abbildungen der Einzelpersonen stammen von den damaligen Kennkarten (Personenstandsregister: Archivalien-Sammlung Frankfurt Abt.IV Kennkarten), die Genehmigung zur Nutzung wurde uns vom „Zentralarchiv zur Erforschung der Juden in Frankfurt“ in Heidelberg erteilt.

Bei der Abbildung der Lage der Wohnhäuser sowie den Bildern der Gedenkstätte am „Bernhard-Moses-Weg“ handelt es sich um Unterlagen der Gemeinde Eppertshausen.

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